Es ist Samstagmorgen. Ich trete auf einen Legostein. Wieder. Der Kaffee steht neben mir, kalt, aber immerhin noch da. Aus dem Kinderzimmer höre ich irgendetwas zwischen Hörspiel und Weltuntergang.
Mein Laptop ist aufgeklappt. Eine Website wartet auf mich.
Nicht meine. Die einer Kundin.
Sie hat mir am Abend zuvor geschrieben: „Irgendwas stimmt nicht. Ich bekomme einfach keine Anfragen.“
Und ich weiß in dem Moment schon: Es liegt nicht an der Schriftart. Es liegt nie an der Schriftart.
Manchmal denke ich, wir Selbstständigen machen uns das Leben unnötig kompliziert.
Wir schrauben an Farben, wechseln Bilder aus, schreiben Texte um, löschen wieder, buchen noch einen Kurs, noch ein Template, noch ein bisschen SEO. Und währenddessen sitzt da diese leise Frage im Hintergrund: Warum fragt niemand an?
Die Website sieht doch gut aus. Die Texte sind auch nett. Alle sagen, es sei „so schön geworden“.
Schön ist halt kein Geschäftsmodell.
Ich weiß, das klingt unromantisch. Aber zwischen Bauklötzen auf dem Boden und offenen Browser-Tabs lernt man sehr schnell, was wirklich zählt. Zeit ist kein unendliches Gut. Weder im Familienleben noch im Business.
Und genau deshalb habe ich irgendwann aufgehört, Websites zu bauen, die nur hübsch sind. Ich baue keine digitalen Wohnzimmer. Ich baue Strukturen.
Strukturen, die führen. Die klar sagen, für wen das hier ist – und für wen nicht. Die nicht versuchen, allen zu gefallen, sondern den richtigen Menschen.
Denn weißt du, was ich bei diesen „Sieht doch gut aus“-Websites immer wieder sehe?
- Viel Ich. Wenig Du.
- Viel Erklärung. Wenig Klarheit.
- Viel Gefühl. Keine Entscheidung.
Und dann wundert man sich, warum niemand auf „Anfrage senden“ klickt.
Vielleicht erkennst du dich gerade ein bisschen wieder.
Du hast investiert. Zeit, Geld, Energie. Du wolltest es endlich „richtig“ machen. Du wolltest professionell wirken.
Und jetzt sitzt du da und denkst: War das alles?
Die Wahrheit ist unangenehm ruhig: Eine Website bringt keine Anfragen, wenn sie nicht klar ist.
Nicht, wenn sie zu laut ist oder, wenn sie zu leise ist. Sondern wenn sie nicht eindeutig ist. Wenn niemand nach 10 Sekunden sagen kann:
„Ah. Genau das brauche ich.“
Ich habe lange geglaubt, Perfektion wäre der Schlüssel.
Alles sauber formuliert, alles durchdacht, alles ausbalanciert. Bis ich gemerkt habe: Perfektion verschiebt nur den Fokus. Man optimiert Details, weil man sich nicht traut, das Fundament anzuschauen.
Und das Fundament ist immer die gleiche Frage: Ist glasklar, welches Problem du löst? Wenn nicht, hilft auch das schönste Design nichts.
Ich sehe das so oft. Websites, die aussehen wie aus einem Magazin. Sanfte Farben. Ästhetische Bilder. Luftige Texte. Und irgendwo dazwischen ein Angebot, das sich entschuldigt, existieren zu dürfen.
Kein Wunder, dass niemand anfragt.
Zwischen Familie und Business habe ich eines gelernt:
Ressourcen sind kostbar. Ich kann meine Energie nicht in Dinge stecken, die nur nett aussehen. Wenn ich arbeite, dann mit Wirkung.
Und genau das wünsche ich mir auch für dich.
- Nicht noch eine neue Version deiner Startseite.
Nicht noch ein neues Template.
Nicht noch ein „Vielleicht muss ich einfach sichtbarer werden“.
Sondern Klarheit.
Eine Website darf ruhig sein. Sie darf schön sein. Sie darf nach dir aussehen. Aber sie muss führen.
Wenn deine Website aktuell einfach nur existiert, aber keine Gespräche auslöst, keine Anfragen bringt und dich jedes Mal ein kleines bisschen zweifeln lässt, dann ist das kein Zeichen, dass du mehr machen musst.
Es ist ein Zeichen, dass du strategischer denken darfst. Nicht härter arbeiten oder mehr posten. Das ist gar nicht der Sinn dabei. Strategie ist einfach.
Und manchmal beginnt das genau dort, wo man ungern hinschaut.
Nicht bei der Farbe. Sondern bei der Positionierung.
Wenn du gerade beim Lesen gedacht hast: „Verdammt. Das bin ich.“
Dann weißt du wahrscheinlich schon, dass es nicht an deinem Legostein liegt. Sondern am Fundament deiner Website. Und das kann man ändern.
Ohne alles neu zu bauen.






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